ART AND THE CITY - AWARD

Ankaufspreise für die drei Künstler Saâdane Afif, Valentin Carron und Alex Hanimann


Der von der Hardturm AG gestiftete ART AND THE CITY AWARD geht an die drei Künstler Saâdane Afif, Valentin Carron und Alex Hanimann. Die prämierten Werke sind von einer Fachjury ausgewählt worden und verbleiben nun dauerhaft in Zürich. Sie werden auf privatem Grund aufgestellt, sind aber öffentlich zugänglich.

Angekauft werden die drei Werke «Ca-tarac-ta» von Valentin Carron, «The Soapbox of Schiffbauplatz» von Saâdane Afif sowie «Vanessa» von Alex Hanimann. «Die drei Werke sind sehr unterschiedlich und zeugen von der Vielfalt von ART AND THE CITY», sagte Stadträtin Ruth Genner als Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements. Gleichzeitig freut sich die Schirmherrin des Festivals über die künstlerische Bereicherung von Zürich-West. Die Freiluft-Ausstellung ART AND THE CITY präsentierte diesen Sommer mehr als 40 Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt und endet am kommenden Wochenende.

Der ART AND THE CITY AWARD wurde ins Leben gerufen, damit auch nach Ende der temporären Ausstellung herausragende Werke in Zürich-West zu sehen sind. «Durch den Ankauf der Kunstwerke bleibt ART AND THE CITY in Zürich präsent», sagt Kurator Christoph Doswald. Die drei Preisträger sind auf Basis der ausgestellten Werke von einer Fachjury mit Bice Curiger (Kuratorin am Kunsthaus Zürich), Dorothea Strauss (Direktorin des Museums Haus Konstruktiv, Zürich), Massimiliano Gioni (Kurator Biennale Venedig 2013), Anne Keller (Swiss Re) und Rein Wolfs als Vorsitzendem (Künstlerischer Leiter Kunsthalle Fridericianum, Kassel) ausgewählt worden.

Der ART AND THE CITY AWARD wird verliehen in Zusammenarbeit mit der Hardturm AG. Die Hardturm AG gehört zur Albers Gruppe. Das Familienunternehmen ist durch seine industrielle Vergangenheit seit über 120 Jahren mit Zürich-West verbunden. «Unser kulturelles Engagement basiert auf der Überzeugung, dass städtische Lebensqualität und Lebensfreude untrennbar verknüpft sind mit der Vielfalt des kulturellen Angebots», sagt Vincent Albers, VR-Präsident der Hardturm AG. «So gesehen ist ART AND THE CITY mit über 40 profilierten Vertretern der avantgardistischen Kunst ein Höhepunkt für Zürich-West.»


Saâdane Afif
The Soapbox of Schiffbauplatz

Saâdane Afif, geboren 1970 in Vendôme/Frankreich, bezieht in seine Arbeiten häufig andere KünstlerkollegInnen mit ein. Für The Soapbox of Schiffbauplatz forderte Afif Dichter, Philosophinnen, Schauspieler, Musikerinnen, Handwerker oder andere Künstlerinnen und Künstler auf, einen poetischen Textbeitrag über seine Arbeiten zu verfassen. Aus diesen Texten formte er eine Textcollage, die von einer Schauspielerin rezitiert wird, während diese auf einem Podest aus Bronze steht; es ist eine Nachbildung einer von Afif gefundenen Transport-Holzkiste für Seifen. Zu der Arbeit gehört zudem ein Plakat, auf dem wiederum alle beteiligten KollegInnen sowie Freundinnen und Freunde namentlich gewürdigt werden. Saâdane Afifs Arbeit unterbricht in besonderer Weise den geschäftigen, urbanen Alltag. Er weckt die Neugier der Menschen, die stehen bleiben und sich fragen, was denn so wichtig ist, dass es ein einzelner Mensch mit Enthusiasmus vermittelt. Mit dieser Strategie zieht Afif das Publikum ins Vertrauen seines eigenen künstlerischen Prozesses: Die Bürgerinnen und Bürger werden nicht mit politischen oder werbewirksamen Slogans konfrontiert, sondern vielmehr sanft darauf aufmerksam gemacht, dass das einzelne Individuum aus der Masse heraustreten kann und dass der Grund dafür ein persönlicher sein darf.


Valentin Carron
Ca-tarac-ta

Für das Wasserschutzgebiet des ehemaligen Zürcher Industriequartiers konzipierte der Walliser Künstler Valentin Carron einen grosszügigen Wasserspender, der als neuzeitliches Denkmal in seiner äusseren Schlichtheit und klaren Funktionalität bestechend unmonumental daherkommt. Ca-tarac-ta ist ein komplett gebrauchsfähiger kupferner Pumpbrunnen, der in einem brandneuen Stadtteil auf höchst symbolische und universelle Art ein Zentrum markieren und dem Grundbedürfnis nach Wasser dauerhaft, simpel, mechanisch und transparent nachkommt, durch die altbewährte Technik mit rein menschlicher Kraft. Kunst wird in Valentin Carrons Skulptur zum Elementarbedürfnis der menschlichen Existenz erklärt und erhält damit eine scheinbar verloren gedachte, selbstverständliche Bedeutsamkeit zurück, die sie nahtlos in die reale Welt integriert. Ca-tarac-ta ist in ihrem kunst- und urban-geschichtlichen Referenzsystem auch ein positives Mahnmal, indem die grundlegende und klassische Funktion der Kunst als sinnstiftende Kraft wieder einmal überzeugend und kräftig in Erscheinung treten kann.


Alex Hanimann
Vanessa

Vanessa ist fünf Meter gross – eine chromstahlglänzende Figur, die alle und fast alles überragt, nur die umliegenden Häuser und Bäume nicht. Alex Hanimann, ihr Erschaffer, ist ein Konzeptkünster aus St. Gallen, der sich gerne mit Sprache, aber auch mit visuellen Standards und mit Typologie beschäftigt. In seiner spiegelnden, funkelnden Figur kommt das Gewöhnliche als ein gigantisch ungewöhnliches Ding daher. Als eine heutige Art von Denkmal steht Vanessa den Skulpturen der Kunstgeschichte nicht nach, die den Sockel verlassen haben, um wie wir auf demselben Boden zu stehen. Vanessas Look ist wichtig. Er fasst zusammen, was im Stadtbild omnipräsent ist und Jugendlichkeit signalisiert: Der Kapuzenpulli, die Jeans, die Turnschuhe, selbst die Haltung, die nicht den klassischen Wechsel von Standbein und Spielbein wiedergibt, drücken betonte Lässigkeit aus. Die langen Haare sind hochgesteckt, Vanessas Hände sind in den Jeanstaschen vergraben, ihre Füsse leicht nach innen gedreht. Es ist der Prototyp eines heutigen Teenagers, der sich hier in erschreckender Unerbittlichkeit als herausfordernder Über-Look präsentiert – in Abgrenzung zur humanistischen Idealisierung und zum konsumistischen Superwoman-Dasein. Für den neuen Standort wird Alex Hanimann eine komplett neue Figur herstellen lassen, inklusive Casting einer Studentin der Zürcher Hochschule der Künste.